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Thermischer Schutz & Flammschutz

Was ist flammen-
hemmende
Kleidung?

Flammenhemmende Schutzkleidung ist speziell entwickelt, um in Brandsituationen nicht zu entflammen, nicht weiterzubrennen und die Wärmeübertragung auf die Haut zu minimieren. Sie kann Leben retten — und ist in vielen Industrien gesetzlich vorgeschrieben.

EN ISO 11612 Flammschutz
EN ISO 11611 Schweißen
IEC 61482 Lichtbogen
EN ISO 14116 Begrenzter Kontakt
EN 1149-5 Antistatik

Was ist flammenhemmende Kleidung — und wie funktioniert sie?

Flammenhemmende Kleidung (auch: flammfeste, schwer entflammbare oder FR-Kleidung von engl. „flame resistant") ist Schutzkleidung für Arbeitsbereiche mit Hitze-, Feuer- oder Lichtbogengefahr. Sie verhindert, dass sich das Gewebe entzündet — und wenn doch, erlischt es automatisch nach Entfernen der Flammenquelle.

Das entscheidende Prinzip: Normale Kleidung aus Polyester oder Baumwolle brennt weiter, sobald sie Feuer fängt — und kann dabei schwerwiegende Verbrennungen verursachen. Flammhemmende Kleidung hingegen verkohlt an der Oberfläche, ohne zu schmelzen oder zu tropfen, und bildet so eine Schutzschicht für die Haut.

Die Schutzwirkung wird entweder durch natürlich flammfeste Fasern (z. B. Aramid, Modacryl) oder durch eine chemische Imprägnierung des Gewebes erreicht. Bei chemisch behandelten Materialien muss die Wäschebeständigkeit besonders beachtet werden.

Lebenswichtig: Bei einem Störlichtbogen oder Flammenunfall entscheiden Sekunden. Flammenhemmende Kleidung gibt dem Träger wertvolle Zeit zur Reaktion — und kann schwerwiegende oder tödliche Verbrennungen verhindern.

Flammenhemmende Multinorm Schutzkleidung
Normale vs. flammhemmende Kleidung
Normal Brennt weiter nach Kontakt · Schmilzt · Tropft · Keine Zertifizierung
FR-Kleidung Erlischt selbst · Verkohlt · Schmilzt nicht · EN ISO 11612 zertifiziert

Merkmale zertifizierter Flammschutzkleidung

Zertifizierte flammhemmende Kleidung nach EN ISO 11612 muss eine Reihe definierter Eigenschaften erfüllen — geprüft und bestätigt durch akkreditierte Prüfinstitute.

🔥

Selbstverlöschend

Das Material erlischt automatisch nach Entfernen der Flammenquelle. Kein Weiterbrennen ohne externe Wärmezufuhr.

🛡️

Kein Schmelzen / Tropfen

Das Gewebe schmilzt nicht und tropft nicht auf die Haut — was bei Kunstfasern besonders gefährlich wäre.

🌡️

Wärmeschutz

Schutz vor Strahlungswärme, konvektiver Wärme und direktem Flammmkontakt. Wärmeübertragung auf die Haut wird minimiert.

💪

Reißfestigkeit

FR-Kleidung muss auch nach Wärmeeinwirkung ausreichend reißfest bleiben, damit sie nicht bricht und Haut freilegt.

🧺

Waschbeständigkeit

Die Schutzwirkung muss auch nach vielfachem Waschen erhalten bleiben — geprüft nach festgelegten Wäschen laut Norm.

CE-Zertifiziert

Alle flammhemmenden Kleidungsstücke müssen CE-zertifiziert sein und die PSA-Verordnung 2016/425 erfüllen.

Welche Materialien werden verwendet?

Die Flammschutzwirkung hängt stark vom verwendeten Material ab. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen inhärent flammfesten Fasern (von Natur aus) und chemisch behandelten Materialien.

🔶 Aramidfasern (z. B. Nomex®)

Inhärent flammfest. Behält Schutz auch nach vielen Wäschen. Hochwertig, leicht, komfortabel. Standard in der Industrie.

Inhärent flammfest

🔷 Modacryl-Mischgewebe

Oft kombiniert mit Baumwolle. Guter Tragekomfort bei guter Schutzwirkung. Häufig für Multinorm-Kleidung.

Inhärent flammfest

🟤 FR-behandelte Baumwolle

Chemisch imprägnierte Baumwolle. Guter Komfort, kostengünstiger. Schutzwirkung nimmt bei falscher Pflege ab.

Chemisch behandelt

🟡 PBI / Polybenzimidazol

Höchste Temperaturbeständigkeit. Einsatz bei extremen Bedingungen wie Feuerwehr und Raumfahrt. Sehr teuer.

Spezialanwendung
Flammhemmende Materialien

Pflege entscheidend: Bei chemisch behandelten FR-Materialien kann falsche Wäsche (falsches Waschmittel, zu hohe Temperatur, Weichspüler) die Schutzwirkung dauerhaft zerstören. Immer das Pflegeetikett beachten und keine Weichspüler verwenden.

Wäschehinweise Flammschutz
Waschtemperaturmax. 60 °C
WeichspülerNiemals!
BleichmittelVerboten
TrocknerSchongang oder Luft

Welche Normen gelten für Flammschutzkleidung?

Die wichtigsten Normen sind klar definiert und je nach Branche und Gefahrenpotenzial vorgeschrieben. Jede Norm prüft spezifische Schutzparameter.

EN ISO 11612
Schutz gegen Hitze & Flammen

Die Hauptnorm für industriellen Flammschutz. Prüft Kontaktflammen (A), konvektive Wärme (B), Strahlungswärme (C), geschmolzenes Aluminium (D), geschmolzenes Eisen (E) und Kontaktwärme (F).

  • Pflicht in Metall, Energie & Petrochemie
  • Schutzklassen A1, A2, B1–B3, C1–C4
  • Kombinierbar mit EN 1149-5
EN ISO 11611
Schutzkleidung für Schweißarbeiten

Speziell für Schweißer und verwandte Prozesse wie Schneiden, Schleifen und Löten. Zwei Klassen je nach Belastungsintensität.

  • Klasse 1: leichtere Schweißprozesse
  • Klasse 2: intensive Hitze & Spritzer
  • Schutz vor Metallspritzern & Strahlungswärme
IEC 61482-2
Lichtbogenschutz

Schützt vor thermischen Gefahren elektrischer Lichtbögen. Messung in ATPV (cal/cm²). Kleidung darf nicht entflammen oder auf der Haut schmelzen.

  • Klasse 1: ≥ 4 cal/cm² (APC 1)
  • Klasse 2: ≥ 7 cal/cm² (APC 2)
  • Pflicht für Elektriker & Energiebranche
EN ISO 14116
Begrenzter Flammenkontakt

Für Arbeitsbereiche mit geringerem Flammenrisiko. Leichterer Schutz als EN ISO 11612, aber zertifiziert für kurzzeitigen Flammenkontakt.

  • Index 1, 2 oder 3 (steigend)
  • Für handwerkliche Tätigkeiten geeignet
  • Kein Schmelzen oder Tropfen
EN 1149-5
Antistatischer Zusatzschutz

Verhindert elektrostatische Aufladung in ATEX-Zonen. Häufig kombiniert mit EN ISO 11612 für Multinorm-Flammschutzkleidung in der Petrochemie.

  • Pflicht in explosionsgefährdeten Bereichen
  • Kombinierbar mit Flammschutz
  • ATEX-Zonen 0, 1, 2
EN ISO 13688
Allgemeine Grundanforderungen

Basisnorm für alle Schutzkleidung. Regelt Komfort, Ergonomie, Größensysteme, Materialeigenschaften, Kennzeichnung und Pflegesymbole.

  • Basis für alle spezifischen Normen
  • CE-Kennzeichnung Pflicht
  • PSA-Verordnung 2016/425

Schutzklassen EN ISO 11612 im Detail

PrüfparameterCodeKlassenTypischer Einsatz
KontaktflammenA1 / A22 KlassenAlle Branchen mit Flammenrisiko
Konvektive WärmeB1–B33 KlassenHochöfen, Gießerei, Energie
StrahlungswärmeC1–C44 KlassenSchweißen, Metallverarbeitung
Geschm. AluminiumD1–D33 KlassenAluminiumguss, Hüttenbetriebe
Geschm. EisenE1–E33 KlassenStahlwerk, Gießerei
KontaktwärmeF1–F33 KlassenHeiße Oberflächen, Rohrleitungen

Wo ist flammenhemmende Kleidung Pflicht?

Flammenhemmende Kleidung ist überall dort gesetzlich vorgeschrieben, wo thermische Risiken, offene Flammen, Lichtbogengefahr oder explosionsfähige Atmosphären auftreten können.

Energie & Elektrotechnik

Schutz vor Störlichtbogen bei Arbeiten an Hoch- und Niederspannungsanlagen, Schaltanlagen und Kabeln.

IEC 61482 + EN ISO 11612
🏭

Stahl- & Metallindustrie

Hochöfen, Gießerei, Walzwerke und Stahlwerke. Schutz vor Strahlungswärme und flüssigen Metallspritzern.

EN ISO 11612 B3/C4
🛢️

Öl, Gas & Petrochemie

Raffinerien, Tanklager und Förderanlagen. Kombination aus Flamm- und Antistatikschutz für ATEX-Zonen.

EN ISO 11612 + EN 1149-5
🔥

Schweißen & Metallbau

Funkenflug, Metallspritzer und Strahlungswärme bei Schweißen, Schneiden und Schleifen.

EN ISO 11611 Kl. 1 & 2
⚗️

Chemische Industrie

Produktion, Abfüllung und Transport gefährlicher Stoffe. Explosionsgefahr erfordert kombinierte PSA.

EN ISO 11612 + EN 1149-5
🚆

Bahn- & Infrastruktur

Wartung elektrischer Bahnsysteme, Oberleitungen und Signaltechnik. Lichtbogen- und Warnschutz kombiniert.

IEC 61482 + EN ISO 20471

Vorteile & Richtig tragen

🛡️

Lebensrettender Schutz

Verhindert oder minimiert schwerwiegende Verbrennungen bei Flammen- und Lichtbogenunfällen.

⏱️

Wertvolle Sekunden

Selbstverlöschende Materialien geben dem Träger Zeit zur Reaktion und Flucht aus der Gefahrenzone.

📋

Normkonform & CE

Erfüllt strenge europäische Sicherheitsnormen. CE-Kennzeichnung garantiert geprüfte Schutzwirkung.

🔄

Multinorm kombinierbar

Flammschutz kombinierbar mit Antistatik, Lichtbogen- und Warnschutz — ein Kleidungsstück, mehrere Normen.

😊

Tragekomfort

Moderne FR-Materialien sind leicht, atmungsaktiv und komfortabel — auch bei langen Schichten.

⚖️

Gesetzliche Pflicht

EU-PSA-Verordnung 2016/425 verpflichtet Arbeitgeber zur Bereitstellung geeigneter FR-Schutzkleidung.

So tragen Sie Flammschutzkleidung richtig

  1. Vollständige Körperbedeckung sicherstellenJacke und Hose zusammen tragen. Hals, Arme und Beine vollständig bedeckt halten. Offene Stellen reduzieren den Schutz erheblich.
  2. Keine brennbaren Materialien darunterNiemals synthetische Unterwäsche (Polyester, Nylon) unter FR-Kleidung tragen. Nur Baumwolle oder zertifizierte FR-Unterkleidung verwenden.
  3. Pflegehinweise strikt einhaltenKein Weichspüler, keine Bleichmittel. Maximale Waschtemperatur beachten (meist 40–60 °C). Falsche Pflege zerstört die Schutzwirkung dauerhaft.
  4. Regelmäßige SichtprüfungVor jedem Einsatz auf Schäden, Verbrennungsflecken oder übermäßige Abnutzung prüfen. Bei Zweifeln sofort ersetzen.
  5. Reißverschlüsse schließenAlle Reißverschlüsse und Knöpfe müssen geschlossen sein. Offene Verschlüsse verringern die Schutzwirkung und können Haut freilegen.
  6. Schulung & DokumentationMitarbeiter in der korrekten Nutzung und Pflege schulen. Ausgabe, Prüfung und Tausch der PSA dokumentieren.

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